Das Spielfilm – Gelungene Premiere im Theater Combinale Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Majka Gerke
Sonntag, 14. Februar 2010
Wolfgang Benninghoven und Rodolphe Bonnin
Wenn zwei fanatische Cineasten einem breiten Publikum ihren Lieblingsklassiker Frankenstein zeigen wollen und dann in der Anfangssequenz der Film reißt, ist es für die beiden Freaks der totale Supergau - oder der Anfang des neuen Stücks im Combinale. Unter der Regie von Florian Hacke laufen Wolfgang Benninghoven und Rodolphe Bonnin zu Hochtouren auf.

Schon der Einzug des Publikums ins Theater läutete den Beginn des Stückes ein. So wurde das Publikum von den beiden Filmfreaks (Benninghoven und Bonnin) als Gastgeber des Abends, zu den Plätzen geleitet. Stilecht, wie es früher üblich war, wurde mit Taschenlampenlicht nach leeren Sitzen gesucht und die Besucher dann dort platziert. Aus dem Theaterpublikum wurde im Handumdrehen der Kücknitzer Cineastenclub. Als endlich alle saßen, die Eröffnungsrede gestammelt war, wurde der Projektor gestartet und der Film begann. Thema des Filmabends: Mary Shelleys Frankenstein in der Filmversion von 1931. Damals begannen die Filme noch mit einer Warnung an das Publikum. Achtung, jetzt wird es spannend. Für Alpträume übernimmt der Regisseur keine Haftung.

Dann, schon nach zwei Minuten passiert der erste Alptraum. Der Film reißt. Und die beiden Filmfreaks geraten in Panik. Schieres, reines Entsetzen ist in den Gesichtern der beiden zu sehen. Was tun? DVD anmachen? Um Gottes Willen! Wo bleibt da der cineastische Anspruch! Auch Herr Jablonsky, der Filmvorführer kann nicht helfen. Der Film ist nur noch ein Knäuel Zelluloid. Schließlich die Idee, den Film einfach nachzuspielen und aus dem vermeintlichen Kino wird eine Theaterbühne.

Die beiden Freaks teilen sich mittels Stein-Schere-Papier die Vielzahl der Rollen auf und los geht es. Wenige Requisiten werden benutzt. Da wird ein Tisch zur Untersuchungsliege. Eine Leiter ist mal eine Tür, eine Treppe oder eine Bank. Der Inhalt eines Putzwagens wird für alles Mögliche missbraucht. So erwecken zwei Flaschen Reinigungsmittel, am Fußende des Tisches unter einTuch platziert, und ein voller Müllsack die Illusion, dass da wirklich jemand auf dem Tisch liegt. Ein Schwamm wird kurzerhand zum Gehirn. Und ein Mopp wird nicht nur als Schaufel genutzt, sondern liefert auch das wichtigste Requisit überhaupt: das Putztuch des Mopps. Daraus wird die Frisur von Elisabeth, der Verlobten Frankensteins. Ansonsten wird nur mit Licht und Schatten, dank Herrn Jablonsky, die Illusion erschaffen, man befinde sich auf einem Friedhof, im Saal der medizinischen Universität, dem Laboratorium des Dr. Frankenstein oder im Dorf.



So nimmt die Geschichte ihren Lauf: Frankenstein und sein Gehilfe Fritz klauen ein Gehirn. Die Verlobte Frankensteins, die liebliche Elisabeth versucht mit Hilfe von Henry, dem eigentlich besten Freund von Frankenstein, dahinter zu kommen, was eigentlich los ist im Hause Frankenstein. Unterstützung bekommen die beiden von Professor Waldmann, dem ehemaligen Mentor Frankensteins und von Baron von Frankenstein, dem raubeinigen Vater Viktor Frankensteins. Sie erreichen das Labor just in dem Moment, in dem das Wesen, das Frankenstein erschaffen hat, erwacht. Und es ist böse.
Ein paar Leichen später (weder Fritz noch Professor Waldmann oder die kleine Dingsda schaffen es) ist ein Happy End schon fast in Sicht. Frankenstein und Elisabeth feiern Hochzeit mit den Bewohnern des angrenzenden Dorfes, als das Monster wieder zuschlägt. Gemeinsam macht man sich auf die Hatz und jagt das böse Wesen. In einem rasanten Showdown kommt nicht nur das Monster zu Tode, auch Frankenstein überlebt das Stück nicht.

Wolfgang Benninghoven und Rodolphe Bonnin schaffen den Wandel von verklemmten Filmfreaks zum buckeligen Helfer Fritz oder eingebildeten Snob Henry innerhalb von Sekunden. Beeindruckend ist die Wandelbarkeit der beiden Akteure, die wunderbar miteinander harmonieren und es schaffen, auf der kargen Bühne trotzdem eine dichte Atmosphäre zu schaffen. So spielt Wolfgang Benninghoven den Frankenstein mit eindringlichem Fanatismus. Mit einem gelben Gummihandschuh bekleidet und einmal durch die Haare gestrubbelt, die danach wirr hoch stehen, wird er zum Prototyp des irren Wissenschaftlers. Den intriganten Henry gibt er mit dem typischen Snobismus der englischen Upperclass und auch sein Professor Waldmann, mit einer Bürste als Bartersatz, ist herrlich. In jeder seiner Rollen hat er ein eigenes Tempo, Stimme und Körperhaltung.

Rodolphe Bonnins Glanzstück ist die Verwandlung in Elisabeth. Er spielt die einzige Frauenrolle des Stückes mit beeindruckender Zartheit. Seine Elisabeth agiert, flirtet, schmollt, fällt in Ohnmacht und schreit, wie man es von Frauen im prä-viktorianischen Zeitalter erwartet. Daneben gelingt ihm der schnelle Wechsel vom buckeligen Helfer Fritz zum herrischen Baron Frankenstein oder in das gruselige Monster. Egal, wen von den Herren er gerade spielt, jeder ist in seiner Mimik und Gestik einzigartig und er spielt seine Rollen mit einer beeindruckenden Körperlichkeit, Stunt-Einlagen inklusive. Immer dann, wenn die beiden in einer Szene gleich zwei Personen gleichzeitig geben müssen, ist Improvisation gefragt und es gelingt jedes Mal. Zum Schluss zieht das Tempo mächtig an und die Mittel werden immer sparsamer.
 
Fazit: ein vergnüglicher Abend mit einem hervorragenden Ensemble. Natürlich ist das ganze eher Stand-up Comedy als ernstes Theater. Aber es zeigt eine gelungene Parodie auf das Genre Horrorfilm und auf das Theater und macht wirklich Spaß. Das Premierenpublikum quittierte dies dann auch mit lang anhaltenden Applaus. Übrigens, das nächste Mal wollen die beiden Filmfreaks im Kücknitzer Cineastenclub Vom Winde verweht zeigen. Hoffentlich reißt dieser Film dann auch.

Weitere Termine:
Februar 2010
Fr. 19.02., Sa. 20.02., Fr. 26.02. 20:30 Uhr, Sa. 27.02. jeweils 20:30 Uhr
März 2010
Fr. 05.03., Sa. 06.03., Fr. 12.03., Sa. 19.03. jeweils 20:00 Uhr


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