| Pop Life: Kunst zwischen Kreativität und Kommerz - Der künstlerische Tanz um das goldene Kalb |
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Sonntag, 14. Februar 2010
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![]() Damien Hirst: False Idol Bemängelt wird, dass die Ausstellungsmacher sich von Künstlern haben gängeln lassen in der Auswahl und Präsentation einzelner Positionen der Kunst. Die Kommerzialisierung der Kunst werde jetzt durch eine sehr konsumorientierte Schau selbst zum Geschäft der Museen. Dem widersprach Kunsthallen-Direktor Prof. Dr. Hubertus Gaßner nachdrücklich. Er und seine beiden Kuratoren, Annabelle Görgen und Daniel Koep hätten sich nach harten Diskussionen mit einzelnen Künstlern durchgesetzt und ihr Konzept einer kritischen Auseinandersetzung mit Kunst und Kommerz knallhart durchgezogen. Der künstlerische Kampf ums goldene Kalb erfährt dabei ganz konkret gleich zu Beginn der Schau ein mehr als symbolisches Abbild: Damien Hirst´s in Formaldehyd eingelegtes Kalb mit goldenen Hufen im vergoldeten Glasbassin auf teurem Carrara-Marmor-Sockel (siehe Titelfoto). Der Star der britischen jungen Kunst hat die Geldmaschine Kunst so richtig zum Glühen gebracht, er gilt als erster echter Milliardär unter den Künstlern. Dabei hat er clever alle wichtigen Akteure des Kunst-Business gegenseitig ausgetrickst, indem er sich als Auktionator seiner eigenen Kunst betätigt hat. Sein eigenes Werk, der mit Diamanten besetzte Schädel, der einen Wert von 100 Millionen Euro haben soll, wurde gleich von ihm selbst gekauft. So hält man seine eigenen Preise in astronomischen Dimensionen. Außerdem macht es sich geschickt, wenn man eine ganze Armada von Assistenten anstellt, um fabrikmäßig und massenweise immer wieder neue Werke, die sich kaum unterscheiden, beziehungsweise eher selbst kopieren, auf den Markt wirft. ![]() Andy Warhol: Selbstporträt Keith Haring zum Beispiel, der Erfinder der Strichmännchen und Vorläufer wiederum der modernen Street-Art. Ihm ist ein Raum unter dem Motto "Der Künstler als Unternehmer" gewidmet. Als Original-Nachbau wird sein Pop-Shop aus der New Yorker Lafayette Street aus dem Jahre 1986 gezeigt, in dem man natürlich auch die berühmten T-Shirts mit dem Strahlenbaby, usw. erwerben kann. Überhaupt sieht das Kuratorenkonzept spezielle Künstlerräume vor, die meist auch noch jeweils mit spezieller Musikbeschallung daherkommen - irgendwie hat das was von Kaufhaus, ist aber auch eindeutig gewollt. Ein weiterer großer Künstlerraum wurde für Martin Kippenberger gemacht, ein Nachbau seiner selbst kuratierten Schau im Pariser Centre Pompidou von 1993, mit ihm selbst als Hauptthema. Auch Kippenberger war ein Meister der Selbstinszenierung, ein Workoholic der Kunst, der Provokation, aber auch der Selbstzerstörung. Aber auch ein ganz Großer seiner Zunft, der es eigentlich gar nicht nötig hatte, sich von Jeff Koons porträtieren zu lassen mit dem Titel: "Martin Kippenberger ist groß, toll, großartig, alles". Trotzdem ein gelungener ironischer Konfrontationskurs mit dem altbackenen Wertekanon des Kunstbetriebes. ![]() Kurator Dr. Daniel Koep im Warhol-Raum Weitere Aspekte der Ausstellung sind dem Künstler als Fälscher, Hofnarr, Kurator, Unternehmer, Provokateur oder als Dienstleister auf der Spur. Andrea Fraser zum Beispiel. Die amerikanische Künstlerin versuchte, den Spieß der Abhängigkeit des Künstlers vom Sammler umzudrehen, indem sie die Abhängigkeit zur Bedingung ihrer Kunst erklärte und sie als solche verkaufte. Sie bot ihren Körper zum bezahlten Sex an unter der Bedingung, dass daraus wiederum Kunst entstehen sollte, und fand natürlich auch einen Käufer. Die daraus entstandenen Fotos und ein Video sind krass pornografisch und werden deshalb nur in gesonderten Räumen mit Eintritt ab 18 Jahren gezeigt. Ähnlich sieht es aus mit der Serie "Made in Heaven" vom Kitsch-Künstler Jeff Koons, der seine Groß-Fotos vom Koitus mit seiner ehemaligen Frau, der italischen Porno-Darstellerin und Abgeordneten Cicciolina zu reichlich Geld gemacht hatte. Überhaupt sollte man Koons als einen ganz Großen der Medienmanipulierer bezeichnen. Dokumentiert wird unter anderem auch sein seinerzeits gescheitertes Projekt mit Riesen-Gummienten und Schlauchboot an Baukränen für den Hamburger Kiez auf der Reeperbahn. Ein weiterer König der Kunstprovokation ist der von mir hoch geschätzte Spanier Maurizio Cattelan. Von ihm ist sein durch ein "INRI"-Schild niedergestrecktes Pferd zu sehen, zu dem er durch den englischen Ausdruck "flogging a death horse" inspiriert wurde. Äußerst kunstvoll und bissig-böse hält er der glamourösen Kunstwelt immer wieder provokant den Spiegel vor, wie zum Beispiel auch in seinem Werk des durch einen Meteoriten erschlagenen Papstes Johannes Paul II. ![]() Takashi Murakami: Hiropon, 1997 Ein ganz anderes dreistes Kaliber der modernen Gegenwartskunst stellt dann aber wieder der Japaner Takeshi Murakami dar. Er ist der Prototyp des Künstlers als Unternehmer, der seine quietschbunte Trash- und Mangakunst gleich als erfolgreiche Marke vermarktet und gleichzeitig auch noch Musikvideos und hippe Turnschuhe verkloppt. Es gebe noch viel zu erzählen und zu beschreiben über diese diskussionswürdige Ausstellung in Hamburg, aber vielleicht sollte man auch nicht zu viel verraten. Selber hingehen und schauen und sich freuen oder ärgern oder aufregen oder anregen lassen ist angesagt. Viel Spass dabei wünscht Holger Kistenmacher! Pop Life läuft in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle vom 12. Februar bis 9. Mai 2010. |
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