| Pat Metheny: Orchestrion |
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Montag, 8. Februar 2010
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Draußen tanzen fette Schneeflocken vor meinem Fenster, und aus meiner Stereo-Anlage perlen verspielte Töne wie zur musikalischen Untermalung dieses fast schon vergessenen Wintermärchens. Virtuos jagen flinke Läufe auf Klavier und Xylophon durch eine Tonlandschaft, die durch ein raffiniert groovendes Spiel von Bass und Schlagzeug zusammengehalten wird. Darüber improvisiert ein gewohnt versierter Gitarrenvirtuose elegant und überraschend in immer neuen, nie kalkulierbaren Sphären. Was wie die Einspielung eines riesigen Orchesters klingt, ist die neueste Produktion des legendären Jazz-Gitarristen Pat Metheny: Orchestrion. Ein Solo-Projekt, bei dem der 55-jährige amerikanische Ausnahme-Musiker auf ein musikalisches Ungetüm zurückgreift, das aus dem 19. Jahrhundert stammt. Ausgehend von einem mechanischen Klavier, welches er als Kind bei seinen Großeltern in Manitowoc, Wisconsin im Keller entdeckte. Stundenlang fütterten er und seine Cousins das Selbstspiel-Klavier mit lochgestanzten Papierrollen, bis ihnen vom Bedienen der Vakuumpumpe, die das Instrument zum Leben erweckte, der Schweiß ausbrach. Früher bespielten solche mechanischen Instrumente ganze Hotelhallen und Ballsäle. Mit der Erfindung der Schallplatte verschwanden das Orchestrion und seine Variationen von der Bildfläche. Heute dienen Samples und Synthesizer für diesen orchestralen Sound, denen sich auch Pat Metheny bis dato häufig für seine früheren Kompositionen bediente. Mit der Wiederentdeckung des Orchestrions hat sich Metheny einen Kindheitstraum erfüllt. Von gewieften Technikern ließ er sich eine Spieluhr des 21.Jahrhunderts basteln, ein mechanisches Gerät, dass mit Hilfe modernster Technik akustische Geräusche von allerlei Schlagwerkzeug bis Gebläse erzeugen kann. Besonders die Musikwerkstatt von Eric Singers, die "League of Electronic Musical Urban Robots" hat ihm eine Gerätschaft zur Seite gestellt, auf der Pat Metheny klingt, als wenn ein ganzes Orchester virtuoser Einzelkönner seine Instrumente bedient. Obwohl auch er nur zwei Hände hat, kann er gleichzeitig Gitarre spielen und dazu mit dem Musikroboter ein Piano, ein Vibrafon, Marimbas, Glocken, geblasene Flaschen, Bass, Schlagzeug und diverses anderes Percussionsgerät zum Tönen bringen. Dabei klingen die fünf Kompositionen auf der Scheibe, die sich zwischen 7 und 15 Minuten lang entwickeln, betont entspannt, aber nie langweilig. Zwar gibt das Ochestrion bestimmte Kompositionsparameter vor, aber darüber ermöglicht es auch ein schier unendliches Improvisieren und Tüfteln an neuen Sounds und Kombinationen. Nicht umsonst braucht so ein charismatischer und virtuoser Könner wie Pat Metheny die freilich vorhandenen Heerscharen hervorragender junger Gitarristen nicht zu fürchten, denn noch immer klingen seine Einspielungen zwar einerseits eingängig und populär, doch sind sie auch komplex und unerreicht. Tempi werden innerhalb einer Komposition permanent variiert und bewegen sich auch dann inkonstant, wenn man vordergründig gleich bleibende Geschwindigkeiten wahrzunehmen glaubt. Mal flirtet er in einer Ballade wie Entry Point inspiriert von einem lässigen Bossa-Nova-Rhythmus, dann wieder läßt er es in der ebenfalls balladesken Nummer Soul Search locker swingen. Trotzdem ein Album wie aus einem Guß. Pat Metheny schafft es, einen musikalischen Bogen zu spannen zwischen fragilen Sehnsuchtsmelodien, fast schon süßlichen Träumereien, jazzrockiger Muskelpracht, virtuos perlenden Gitarrensolis und elegant schaukelnden Schachtelrhythmen. Ein großer Wurf zwischen Mensch und Maschine, der neugierig macht, wie Pat Metheny die ganze Geschichte live rüberbringt. Wie das klingt, läßt sich beim Auftritt am 3.März in der Hamburger Laeiszhalle überprüfen und genießen. Pat Metheny: Orchestrion, Nonesuch (Warner), 2010 Die CD ist erhältlich bei A-Trane Records in der Fleischhauerstr. 54 Tel. 0451 - 293 89 78 Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können |
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Draußen tanzen fette Schneeflocken vor meinem Fenster, und aus meiner Stereo-Anlage perlen verspielte Töne wie zur musikalischen Untermalung dieses fast schon vergessenen Wintermärchens. Virtuos jagen flinke Läufe auf Klavier und Xylophon durch eine Tonlandschaft, die durch ein raffiniert groovendes Spiel von Bass und Schlagzeug zusammengehalten wird.





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