Über den kulturellen Tellerrand geschaut - Zwei interessante Termine auf Kampnagel in Hamburg Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Holger Kistenmacher
Donnerstag, 4. Februar 2010
Deichkind in Müll
Die Hamburger Kulturfabrik Kampnagel hat im Februar zwei außergewöhnliche Veranstaltungen im Programm: Vom 11.-14. Februar wagt Kampnagel unter dem Titel Folkreol ein thematisches Wochenende zu postkolonialen Strategien im zeitgenössischen Tanz und Theater und Ende Februar wird die sogenannte Diskurs-Operette Deichkind in Müll aufgeführt.

Folkreol
Dabei wird der künstlerische Schwerpunkt auf geografische Regionen gelegt, die in unserem allgemeinen Denken kaum einen Platz finden. Die außereuropäischen kulturellen Entwicklungen finden, wenn überhaupt, nur selten ihren Weg in unsere heiligen Hallen der Hochkultur. Anders bei Kampnagel. Dort versucht man schon seit Jahren, den Blick auf Ungewöhnliches und Innovatives zu lenken, auch wenn es nicht direkt aus unserem Kulturkreis stammt. Diesmal geht die künstlerische Reise in die afrikanische Elfenbeinküste und das asiatische Papua Neuguinea. Gezeigt werden sollen in drei beeindruckenden Arbeiten, wie neue künstlerische Strategien im Umgang mit dem kolonialen kulturellen Erbe entwickelt werden.

Unserdeutsch
Mit Logobi 1-5 zeigt das Hamburger-Berliner Choreografen-Duo Gintersdorfer/Klaßen eine Serie von Tanzabenden, in der ivorischer Straßentanz auf neueste Tanzentwicklungen zeitgenössischer Choreografien treffen, ein Dialog zwischen Afrika und Europa entbrennt. Um ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte geht es in der Theaterperformance Unserdeutsch von Nicola Unger aus Rotterdam: ein dokumentarisches Südseemärchen über die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Neuguinea. Aus vielfältigem Dokumentationsmaterial ist mit Hilfe der Schauspielerin Yvette Coetzee eine spannende Collage zur einzigen noch existenten deutschen Kreolsprache, dem "Unserdeutsch" entstanden. Aus dem indonesischen Teil Papua Neuguineas stammt der Choreograf Jecko Siompo, der den dritten Part dieser außergewöhnlichen kulturellen Reise bestreitet. In seinem Tanzstück Room Exit vermischt er folkloristische Ansätze seiner indigenen Heimat mit HipHop und Popkultur, läßt formalisierte Tierbewegungen auf deutsches Tanztheater prallen. Aus Papua stammende Tänzer gehen zu James Bond-Musik mit Blasrohren auf Krokodiljagd, während andere Tänzer zu Drumbeat und schottischer Dudelsackmusik polyphon singen und im rasanten Tempo die Bühne erobern.

Room Exit

Deichkind in Müll
Bekannt geworden ist die Hamburger Elektro-Punk-Band Deichkind hauptsächlich durch Skandal und Remmidemmi, sowohl was ihre inhaltlichen musikalischen Texte, als auch ihre anarchistischen theatralischen Live-Auftritte betrifft. Besonders ihre Konzerte entwickeln sich in der Regel zu Massen-Happenings, aus der Musiker und Besucher euphorisiert hervorgehen. Spass und Spektakel, wummernde Beats und lustvolles Chaos mutieren dabei zu einer exstatischen Show, bei der so mancher Konzertbesucher seine bürgerliche Contenance verliert und sich kindlich infantil ins lustvolle Getümmel stürzt. Über das Wie und Was einer derartigen Inszenierung auf den Brettern der K-6-Bühne auf Kampnagel darf man gespannt sein.
Daten: 25.-28. Februar jeweils 20.30 Uhr, Eintritt: 12-28 Euro.

Weitere Infos unter www.kampnagel.de


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