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Die erotische Befreiung der Frau - Teil 2 Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Erna König
Mittwoch, 3. Februar 2010
Otto Gross
Die zentralste Gestalt in Schwabing war wohl die Gräfin Franziska zu Reventlow. „Fanni“ kam aus der Freien Hansestadt Lübeck, wohin sich ihre Eltern begeben hatten, weil ihnen Preußens Machtzunahme missfiel. Sie war eine Abenteuerin, die viele Liebhaber in Schwabing hatte, u.a. Otto Gross, Edgar Jaffé, Rilke und Mühsam. Ihr Interesse wechselte sehr rasch zur Kosmischen Runde, die sich inmitten Schwabings fand (Genaueres über  "Fanni" und diese Gruppe s. Teil 3). Auch Thomas Mann besuchte die Schwabinger Runde – lehnte deren Überzeugungen jedoch ab. Heinrich Mann war es dann auch, der eher zu der Gruppe passte. Thomas Mann wurde für einen Bourgeois gehalten, der lediglich für die Bourgeoisie schrieb.

Es war um das Jahr 1912, als Erich Mühsam versuchte, ein zweites Schwabing in Ascona (Italien) zu gründen. In dem Ort stieß er auf noch radikalere und anarchistischere Persönlichkeiten. Dort liefen Männer mit kurzen Hosen und Tuniken herum – sie trugen Armringe und schulterlanges Haar. Auch Otto Gross weilte zu der Zeit in Ascona. Innerhalb der anarchistischen Bewegung repräsentierte Otto Gross die Sektion, die den größten Nachdruck auf das Thema der sexuellen Befreiung legte. Er mietete sich eine Scheune, in der er mit Hilfe von Rauschgift sexuelle Orgien veranstaltete.  Dabei handelte es sich natürlich um Sitzungen gezielter Selbsterforschung. Seine Anhänger wurden von ihm sogar zum Stehlen aufgefordert. Sie alle waren Anhänger der Schönen Künste und sein Einfluss wirkte sich zersetzend auf sie aus. Seine damalige Geliebte nahm sich das Leben – bereits ein paar Jahre früher hatte er einer Patientin Gift für ihren Selbstmord besorgt, etwas, dass seinen Vater – den Kriminologie-Professor Hanns Gross – auf den Plan rief.

Hans Gross
Als Sohn war Otto Gross die lebende Antithese zu seinem Vater. Sein ganzes Denken war auf totale Freiheit ausgerichtet und er lehnte jede patricharchalische Autorität, wie sie sein Vater verkörperte, rundweg ab. Otto Gross war in einem Hause aufgewachsen, in der der Vater die Mutter völlig überragte. Seine Laufbahn begann der Sohn dennoch in enger Zusammenarbeit mit seinem Vater: Er studierte Neurologie und Psychiatrie. Sein Vater erhoffte von ihm eine glänzende Laufbahn, aber Otto befand sich von Anfang an im Widerstreit mit ihm. Als Otto heiratete und nach München zog, blieb sein Vater als Professor in Prag – und das nicht zufällig. Vater und Sohn hassten einander geradezu. Als Hans Gross nun von der kriminellen Lage seines Sohnes in Ascona hörte, ließ er ihn in ein österreichisches Irrenhaus sprerren. Durch Bittschriften seines Freundes Franz Jung und vieler anderer Persönlichkeiten kam er jedoch bald wieder frei. Er ging nach Berlin, wo er in einem Lagerhaus völlig entkräftet aufgefunden wurde und bald darauf an einer Lungenentzündung starb. Er war offenbar auch nicht mehr in der Lage, sich Rauschgift zu besorgen. Diese lebenszerstörenden Handlungen von Otto Gross hatten mehr oder weniger direkt auch mit Frieda Richthofens Abwendung von ihm zu tun.

Erich Mühsam
Am Ende des Ersten Weltkrieges brach in München eine Revolution aus. Die Anführer kamen aus der Schwabinger Runde: Es waren Erich Mühsam und Edgar Jaffé. Kurt Eisner, Minister der Räterepublik, stürzte den König und Gustav Landauer war sein Mitstreiter - beide gehörten zum Künstler- und Intellektuellenmilieu Schwabings und waren Stammgäste im Café Stefanie. Auch die Münchner Bevölkerung rebellierte – viele Männer aus ihren Reihen waren im Krieg gefallen. Die Brauer erhielten keine Gerste mehr und die Krupparbeiter waren unzufrieden. Die Revolution wurde jedoch von den bayerischen Truppen bald niedergeschlagen. Landauer und Eisner kamen dabei ums Leben; Edgar Jaffé starb zwei Jahre später an den Folgen eines Nervenzusammenbruchs. Franziska zu Reventlow starb 1918 in Ascona. Nach dem Scheitern der Revolution und den dramatischen Todesfällen kündigte sich das Absterben der Schwabinger Runde an.

Teil 3 erscheint demnächst


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