Rebekka Bakken in der MuK Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Thorsten Hingst
Freitag, 29. Januar 2010
Nun hat also auch Rebekka Bakken ihr erstes Album in den USA aufgenommen. Nach fünf erfolgreichen Alben mit mehr oder weniger Jazzgusto versehen, steuert sie nun neue klangliche Gefilde an. Produziert von Craig Street, der schon Sängerinnen wie Cassandra Wilson, Holly Cole oder K.D. Lang erfolgreich in der Welt des anspruchsvollen Erwachsenenpop etabliert hat und der mit dem Norah Jones Debut Come away with me zur Produzentenlegende wurde, bricht Rebekka Bakken nun in die endsechziger Jahre des kalifornischen Singer-Songwriter-Pop auf.

Klanglich angelehnt an die Eagles, Jackson Browne oder Crosby, Stills, Nash & Young lotet sie ein bisher nicht von ihr betretenes Terrain aus. Wer da Trendkalkül vermutet, sollte vorsichtig sein mit seiner Behauptung. Natürlich muss der Marketingabteilung Tribut gezollt werden und es kann nicht überraschen, wenn die Norwegerin auf dem Cover ihres neuen Albums Morning Hours vom eleganten Abendkleid tragenden Vamp zur hippiesk gewandeten Elfe mutiert ist. Das Package muss halt stimmen. Aufgesetzt wirkt hier trotzdem nichts. Man nimmt der Bakken jederzeit diesen musikalischen Richtungswechsel ab. Vielleicht auch gerade deshalb, weil sie nicht den Fehler begangen hat, sich von Craig Street ein Klanggewand  schneidern zu lassen,  das auch ihren prominenten Vorgängerinnen bestens gepasst hätte. Bakken setzt mehr auf akustische Rhythmusgitarren und Country-Twang als dem Urschlamm des Mississippi entstiegene Bottleneck-Sounds und Texas-Swing.

Die musikalische Richtungskorrektur macht schon die Saalbeschallung in der sehr gut besuchten MuK deutlich. Nicht die Jazzkonzerten so gerne vorangestellten Klassiker von Miles, Ella oder Billie werden bemüht, sondern es erklingt geschmackvoll gezupfter Countryblues, des 2005 verstorbenen Gitarristen Chris Jones. Bakkens norwegische Band, Sven Lindvall am Bass, Per Lindvall am Schlagzeug, Christer Karlsson an Piano und Hammond und nicht zuletzt der famose Sebastian Nylund an der Gitarre, übertragen den auf Tonträger gebannten Sound perfekt auf die Bühne. Pedal-Steel-Licks und Double-Stops perlen delikat aus Nylunds goldener Telecaster, die Lindvall-Brüder zimmern ein elegant geschmackvolles Rhythmuskorsett und Christer Karlsson überzieht den erdigen Gruppensound mit einer Orgelglasur oder verteilt wohlgesetzte Pianotupfer. Understatement mit Klasse. Dazu eine sich stimmlich makellos präsentierende Rebekka Bakken, die auch zwischen den Stücken zu unterhalten weiss. So erfahren wir von einem Vater, der die junge Rebekka mit Ibsen und Hamsun quälte, von ihrer ersten heimlichen „Liebe“, Fritz Wepper, der jeden Freitag als Harry Klein in Derrick im Hause Bakken zu Gast war oder von ihrer seltsamen Begegnung mit dem österreichischen Liedermacher Ludwig Hirsch, dessen Der Schnee draussen schmilzt, dargeboten mit perfektem wienerischen Duktus, zu einem Konzerthighlight wird.

Das Rebekka Bakken und ihre Band auch richtig rocken können, beweisen sie mit der ersten von vier!! Zugaben: Why do all the good guys get the dragons. Basierend auf der Melodik des Pete Seeger Protestsongs Where have all the Flowers gone, kippt der angeraute Countryrock der Nummer nunmehr im Mittelteil plötzlich in einen Reggaebeat schönster Marley'scher Prägung, dem Sebastian Nylund mit einem langen Gitarrensolo gehörig Beine macht.

Besinnlich und stimmungsvoll geht der Abend nach zwei Stunden mit Say goodbye to what is gone zu Ende. Tosender Applaus entlässt Rebekka Bakken und Band in eine nicht mehr ganz so frostige Nacht.



Fotos: (c) Bernd Krüger


Kommentare von Lesern

Dass die österreichische Einlage ein Konzerthighlight war, ist hoffentlich ironisch gemeint. Alles andere würde keinen Sinn machen...

Von A. Schmidt, am 01.02.2010 um 11:18
 
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