Mit acht Jahren schon jammte er mit Carlos Santana, mit 16 wurde er von Gary Burton in dessen Generation-Quintett berufen und mit 21 legte er im letzten Jahr sein Debut-Album
Sounding Point vor. Ein reifes, ungemein eigenes Tonstatement, das nicht der so oft dokumentierten Gitarristenkrankheit des „Seht-her-ich-bin-der-Schnellste“ erlegen ist, sondern vielmehr der kompositorischen Tiefenschärfe und der individuellen Andersklanglichkeit nachspürt. Unter dem Sounding Point versteht Julian Lage den Moment, an dem seine Klangvorstellungen ins Hörbare umschlagen. Was sich da ins Ohr des Rezipienten schmeichelt ist ein Klangeklektizismus der wohltuendsten Art. Ein unverstärkter Gitarrensound, der im Akkordspiel an den großen belgischen Saitenirrwisch Django Reinhard, im Single-Note-Spiel an den Joe Venuti-Partner Eddie Lang, aber auch an modernere Neutöner wie James Emery erinnert, wird hier einem musikalischen Gemischtwarenladen vorangestellt, der seinesgleichen sucht. Lages' Kompositionen speisen sich aus so disparaten Stilistiken wie Gipsy-Swing, Bluegrass, Appalachian-Folk, Modern Jazz und String Band Musik, wie der amerikanische Mandolinist David Grisman sie seit geraumer Zeit schon kultiviert.
Wie bei Grisman sind südamerikanische Rhythmen auch bei Lage oft Fundament für die virtuos ausgestalteten Kompositionen. Nicht verwunderlich also, dass drei seiner vier Musiker in Südamerika zu Hause sind. Percussionist Tupac Mantilla in Kolumbien, Bassist Jorge Roeder in Peru und Cellist Aristides Rivas in Venezuela. Saxofonist Dan Blake bringt dann noch die schroffe Ästhetik der einst florierenden New Yorker Downtown-Szene mit ins Spiel und konterkariert somit die teils fröhlich beschwingte Sause. Virtuosität allein macht aber noch keine gute Musik. Julian Lages Kompositionen sind schon jetzt dermaßen gut ausbalanciert und espritvoll gestaltet, dass man sich fragen muss, welches Niveau dieser junge Gitarrist noch erreichen will. Seit kurzem belegt er Kompositionskurse an der Berklee School of Music in Boston.
Ulita Knaus startet mit Al Jarreaus'
Fly in ihren Set. Vielleicht kommt dieses Stück zu früh im Konzert, wäre vielleicht etwas weiter hinten auf der Setliste besser aufgehoben. Mit warm gesungenen Stimmbändern und somit besserer Intonation hätte diese Nummer erheblich mehr Spaß gemacht. Dass Ulita Knaus eine famose Stimme besitzt, ist dann ab dem zweiten Stück, Chick Coreas
Sea Journey, deutlich zu vernehmen. Da ist es dieses soulig warme Timbre, dieser tückische Schmelz, der unverhofft auch mit einer gehörigen Prise „Dreck“ veredelt wird.
Too hot to ignore, die Rotes Meer-Impression
The Blue in me, großartig gesungen und gespielt von Ulita Knaus, Mischa Schumann am Flügel, Gerold Donker am Kontrabass und Ole Seimetz am Schlagzeug.
Beim Titelsong der aktuellen CD
It's the City kommt es dann im Maschinenraum des Quartetts zu Ungereimtheiten. Vielleicht liegt es an der Neuverpflichtung von Ole Seimetz, der den absenten Heinz Lichius am Schlagzeug ersetzen muß. Dessen filigranes Spiel machte gerade dieses Stück auf dem Tonträger zu einem wahren Highlight. Die Gegenüberstellung von urbaner Hektik und Kakophonie, einhergehend mit der innerstädtischen Anonymität des Einzelnen, mit der kontemplativen Ruhe der Ruralität gelingt gerade auch aufgrund von Lichius' filigranem Spiel auf der CD trefflich. Ole Seimetz schafft es leider nicht, dem Stück seine angedachte rhythmische Dimension zu verleihen. Alles in allem aber doch ein schönes Konzert mit inspirierten Solisten und einer gut aufgelegten Ulita Knaus, das mit dem Cahn-Styne-Klassiker
I fell in Love too easily ein versöhnliches Ende nimmt.
Am 21.04.2010 sind dann das Dieter Ilg Trio und das Tord Gustavsen Quartet in der MuK zu Gast. Ein Besuch sollte sich lohnen.









Fotos: (c) Bernd Krüger
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