| Heinrich Meyer und Christopher Lehmpfuhl in der Galerie Herold in Hamburg |
|
|
|
|
Dienstag, 19. Januar 2010
| |
![]() Heinrich Meyer, Welle Kaum tritt man ein zur Vernissage, schlägt die Kälte erneut zu, denn trotz dicker Ölschichten sorgen sie für Frost: die Werke des Malers Christopher Lehmpfuhl. Auf den meisten seiner Hamburg-Bilder herrschen Herbst oder Winter. Seine Motive versinken nicht nur fast im Öl – häufig versinken sie auch im Eis: „Er hat sich jene gegenwärtig immer seltener werdenden Tage ausgesucht, an denen Schnee liegt und sich auf der Elbe Eisschollen bilden.“ Lehmpfuhl malt mit der Hand; seine weißen Handschuhe tragen die Farben in hohem Tempo auf die Leinwand – durch pastöse Schichtung bekommen sie eine fette Dreidimensionalität; Lehmpfuhls Packeis droht den Betrachter tatsächlich zu packen. Sein Hamburg ist seltsam menschenfrei, das Backsteinrot ist häufig fahl, die Colonnaden erstarrt im eisigen Licht, sogar die Speicherstadt ist leer gefegt. Dennoch muss niemand in Tristesse ertrinken: Lehmpfuhls Stadtansichten bleiben gefällig. Die Wellen spülen oft unbehelligt vom Ölteppich, wie in „Herbstlicht“ – hin und wieder schlagen sie ordentlich hoch, wie in „Erste Lichter“. In seiner Laudatio betont Prof. Heinz Spielmann denn auch das „ungestüme Temperament“ des Künstlers, das mit dem wechselnden Licht und dem Wind des Nordens korrespondiert. Ganz anders Heinrich Meyer. Seine Steinskulpturen korrespondieren nicht mit der nordischen Wildheit – nicht nur, weil sie zwischen den dominanten Lehmpfuhl-Bildern fast untergehen, sondern auch, weil ihre Sprache eine stillere ist. Felsenfest und dennoch immateriell steht der Kosmos aus schwarzem Diabas und weist auf alle Ewigkeit, schwebend fliegt der Horizont aus lichtem Marmor, „Materie ist das Urprinzip, dem das Werden zugrunde liegt – Form ist der Zustand, den das Werden annimmt“, lässt Heinrich Meyer Aristoteles zu Anfang des Katalogs „metamorph“ sagen. Die Materie ist unter Heinrich Meyers Händen zwar Form geworden, scheint aber weiterhin im Werden begriffen. Denn „Sonne“, „Mond“ und Ferne sind keine zu Stein gewordenen Wahrheiten, sondern bleiben fließend wie sein „Meer“, vibrierend wie seine „Brise“ und atmen wie seine „Luft“ – etwas, an das es allen Steinen leider etwas fehlt auf dieser Ausstellung. ![]() Bei Lehmpfuhl dominiert ein kaltes Weiß – beim Buffet ein heißes: Weißwürste gibt es, kesselfrisch, dazu Brezen und süßen Senf. Die Besucher genießen die bajuvarische Brotzeit, „sportlich“ findet eine Alster-Dame das Selbstbedienungs-Vergnügen und „beruhigend“ außerdem, „dass vom Galeristen-Anteil an Öl-Schinken und Stein-Brocken ein Teil gespendet wird“. Nach Haiti. Weil dort die Welt gerade von anderen Dingen bewegt wird als von der Kunst. Wer sich in Hamburg bewegenden Kunst-Eindrücken aussetzen will, geht in die Galerie Herold, Colonnaden 5. Tel.: 040/47 80 60 www.galerie-herold.de Die Steine von Heinrich Meyer verdienen einen besonderen Blick – daher sollte man den Gang in dunkle Ecken und schlecht zugängliche Fensterwinkel nicht scheuen. Und wer sportlich ist, der findet auch die Titel an den Stelen. |
|












Bürgernachrichten online (BIRL)
Lübeckische Blätter (Archiv)
Künstler aus Lübeck
Adressen in Lübeck
Internet-Adressen
Meldung einsenden
Veranstaltung vorschlagen










Seite 1 von 0