Wiglaf Droste – Am Nebentisch belauscht Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Stephanie Gerlich
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Vierzehn Texte trägt Wiglaf Droste vor, lange und kurze, aber immer satirische. Das Hörbuch „Am Nebentisch belauscht“ beginnt mit dem „Biker, der Bockwurst im zarten Saitling“ und endet mit „Flaschendrehen im Vatikan“.

Dazwischen liegen zwölf heitere Titel, in denen sich Droste auf seine herrlich polemische Art mit deutschen Befindlichkeiten auseinandersetzt. Esoterische Tanzkreise im Park beschäftigen ihn ebenso wie der merkwürdige Drang der modernen Welt, beim Essen parallel auch andere Dinge zu erledigen. Der Text „Gast oder Geisel?“ zeugt von den eigenen, leidvollen Erfahrungen des Autors. Das kommt davon, wenn man sich auf Abendeinladungen eitler Beinahe-Promis mitschleppen lässt. Man kann wirklich mit Wiglaf Droste leiden, dem offenbar Schlimmes widerfahren ist. Mit diesem kühl-zynischen Ton in seiner Stimme liest er seine Text vor, so als wäre daran ja wohl nichts Komisches zu finden. Droste ist ein Satiriker par excellence – seine Wortspiele und nüchternen Feststellungen über das merkwürdige Verhalten seiner Mitmenschen lassen keinen Zuhörer ernst bleiben. So dichtet er am Ende über den Papst: „Wohlan, Ratzinger geh du voran. | Du willst sein wie Jesus Christus, | nimm den Hammer, und dann bist du’s. | Vergiss die langen Nägel nicht, | denn du bist kein Leichtgewicht. | Vorbildlich für Alt und Jung | ist die Eigenkreuzigung | Schon in drei Tagen bist du schlaff | Bis dahin grüßt dich Drostes Wiglaf.“

Das Christentum und seine Praktiken ist nur eines von Drostes Steckenpferden, es zeigt sich auch in Titel Nr. 9: „Jesus aus dem Frost“. In Nr. 8 wird es ernst. „Der Sommer ist vorbei, | ihm folgt die Zeit, da Frauen Leggins tragen“ klagt Droste wehmütig – ihm entgeht wirklich kaum eine der Absonderheiten und hässlichen Angewohnheiten, die Menschen hierzulande an den Tag legen. Man könnte ihm stundenlang zuhören, wie er bissig und mit Wortwitz die (gefühlte) Mehrheit der Bevölkerung auf den Arm nimmt. Mit „Am Nebentisch belauscht“ sind es zumindest 74 Minuten mit köstlichen drostschen Satiren. Vorsicht beim Verschenken, der Beschenkte sollte besser kein Bockwurst-Biker, Leggins-Träger oder Wetterjacken-Liebhaber sein. Aber eigentlich behält man so ein Hörbuch lieber für sich und den eigenen CD-Player. Für andere Leute kann man dann immer noch Socken kaufen. Oder Wetterjacken.

Wiglaf Droste: Am Nebentisch belauscht [Audiobook]. 74:00 Minuten, 14 Titel, Kunstmann Verlag, 2009


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