Das Orangenmädchen - Banalität in schönen Bildern Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Susanne Birck
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Auf den Nordischen Filmtagen Lübeck 2009 war Das Orangenmädchen der Eröffnungsfilm. Für die Verfilmung von Jostein Gaarders Erfolgsroman pfuschten die Drehbuchautoren leider zu sehr an der Vorlage herum.

Das Orangenmädchen handelt von dem jungen Georg (Mikkel Bratt Silset), der zu seinem 16. Geburtstag durch seine Mutter drei Briefe seines vor 10 Jahren verstorbenen Vaters Jan Olav (Harald Thompson Rosenstrøm) überreicht bekommt. In diesen Briefen erzählt sein Vater von der Liebe seines Lebens, einer Zufallsbekanntschaft, die er zunächst nur das Orangenmädchen (Annie Dahr Nygaard) nennt. Später wird Georg klar, das dies die Liebesgeschichte seiner Eltern ist. Die Briefe liest Georg während seiner Skiwanderung in den norwegischen Bergen. In Rückblenden wird die Geschichte seiner Eltern erzählt. Für Georg ist diese Art der „Begegnung“ mit seinem Vater ein Schlüsselerlebnis für sein Erwachsenwerden.

Wer sich voller Erwartungen in diesen Film begibt – mit oder ohne Vorkenntnis der Romanvorlage – wird schnell enttäuscht. Die Handlungsstränge sind zwar schlüssig und stringent erzählt. Aber von der angekündigten Poesie einer angeblich anrührenden Romanze ist doch nur ein recht banales und in die Länge gezogenes Werk übrig geblieben. Die Hauptspannung des Films liegt offenkundig in der Montage, d. h. in den abwechselnd verfolgten Erzählsträngen. Jeder einzelne Strang für sich wäre auch eindeutig zu langweilig gewesen. Die Inszenierung lebt durch die gute Kameraarbeit und die farbkonsequenten Bildkompositionen, kann damit aber letztlich die gestreckte Handlung nur bedingt auffangen. Es fehlt der angekündigte Tiefgang.

Die Sinnhaftigkeit scheint allein in der übergeordneten Liebesbeziehung der Eltern zu liegen, als Steilvorlage für den jungen Georg, Chancen des Lebens wahrzunehmen. Das mag grundsätzlich nicht verkehrt sein, aber der Film vermittelt diese Wahrheit in einem zu großen Trivialitäts-Guss. Im negativen Sinne auffällig ist ebenso die oftmals unpassende Filmmusik, die insbesondere Szenen von bedeutungsvoller Wortlosigkeit in bloßes Bildfolgengeplänkel abwertet. Lobend zu erwähnen sind jedoch die beiden Jungdarsteller Mikkel Bratt Silset als Georg und Emilie K. Beck als Stella, deren Darstellungen der zögerlichen Annäherung ihrer Figuren Glaubhaftigkeit verleihen. Leider hört dieser Erzählstrang nicht rechtzeitig auf und verliert sich schließlich in der Klischeehaftigkeit eines zu seicht konstruierten Filmendes. Es empfiehlt sich doch eher, den Roman zu lesen.

Das Orangenmädchen (Appelsinpiken)
(Nor 2009), 88 Min., R: Eva Dahr, B: Andreas Markusson, Axel Helgeland, nach dem Roman von Jostein Gaarder, D: Mikkel Bratt Silset (Georg), Harald Thompson Rosenstrøm (Jan Olav), Annie Dahr Nygaard (das Orangenmädchen), Emilie K. Beck (Stella), Rebekka Karijord (Veronika)

Zu sehen ab Donnerstag, 10. Dezember 2009 im Filmhaus, Königstraße 38-40

Filmstill: (c) Neue Visionen

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