| Bilder von Eberhard Oertel in der Künstlerei in Travemünde |
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Freitag, 30. Oktober 2009
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Die Welt Eberhard Oertels ist eine Welt der Geraden. Quader und Trapeze stellen sich unseren Blicken in den Weg. Ecken, spitze Winkel und gebrochene Formen beunruhigen das Auge. Am Sonntag, 1. November um 15 Uhr wird in der Künstlerei in Travemünde die Ausstellung eröffnet. Dunkle Farben dominieren und werden in ihrer Massivität gestützt von wuchtigen Flächen und raumgreifenden Figuren. Eberhard Oertel fährt schweres Geschütz auf. Niemand bleibt davon unbeeindruckt und das ist gut. Das ist gut deshalb, weil die geistigen „Vorlagen“ dieser Bilder, der Anlass, diese Bilder zu malen, uns zunehmend weniger beeindrucken. Und das ist schlecht. Wir alle kennen das: Abends um acht mit der Pizza die Nachrichten gucken und weiter kauen, während der Kriegsberichterstatter vor Bildern zerbombter Städte die Kriegstoten zählt. Beim Frühstück die Seite mit den Opfern rechten Terrors überblättern, den Sender wegdrehen, der uns die Folgen der Klimaerwärmung erläutert, die eigenen, sorgenvollen Gedanken und Bilder wegschieben zugunsten etwas sonnigerer und pastelligerer Sichtweisen. Rosarot und Himmelblau soll uns die Welt sein und das ist legitim. Wir haben das Recht, uns die Welt zu erträumen, wie sie nicht ist und wir dürfen auch weggucken, wo sie schwarz und braun erscheint. Einem Künstler ist dieses Recht verwehrt. Das hat mehrere Gründe. Der einfachste liegt in der emotionalen Beschaffenheit des Künstlers. Dem Künstler muss es gelingen, seine GEFÜHLE in Bildern zu formulieren und sie durch seine Kunst anderen Menschen nachempfindbar zu machen. Er muss sein Innerstes quasi austranspirieren, und das klappt nur bei dünner Haut. Dünnhäutige Menschen sind aber gleichzeitig auch abwehrschwach. Damit meine ich die psychische Abwehr, die bei anderen Menschen einfach funktioniert, wenn die Impressionen zu belastend werden. Dem Künstler sickert so was einfach durch; manchmal direkt ins Herz. Umschalten, weiterblättern, wegdrehen - funktioniert nur unzureichend. Das Wahrgenommene muss verarbeitet werden und dies geschieht durch Kunst. Damit erfüllen Künstler heutzutage gleichzeitig die wichtige Aufgabe, Gesellschaft zu spiegeln. Kunst erläutert uns die Welt auf geistiger Ebene und das ist der zweite Grund, warum ein Künstler nicht weggucken darf. Wer Blümchenbilder malt und Wände dekoriert, hat die Aufgabe der Kunst nicht verstanden und ist bestenfalls Kunstmaler, nicht Künstler. Jedem Bild von Eberhard Oertel kann ein Ereignis, eine Nachricht zugeordnet werden, die ihn so ernsthaft berührt hat, dass er die folgenden Monate damit verbracht hat, ein Bild darüber zu malen. Wir sehen einige dieser Bilder heute vor uns und finden die Ereignisse gefiltert durch das Herz des Künstlers, in Form und Farbe gefasst als reines Gefühl auf der Leinwand wieder. Eine Essenz – und daher so mächtig. Man steht davor und denkt: BOH! Man fühlt und kann sich nicht entziehen. Was bei den „Originalen“ in Presse und Fernsehen noch ganz leicht ging, nämlich das Weggucken, ist bei Oertel unmöglich. Wir sind berührt und das ist die erste Voraussetzung, selber Stellung zu beziehen. Gleichzeitig gelingt Eberhard Oertel aber das Kunststück, nicht als Moralist, Oberlehrer und Zeigefinger auf zwei Beinen daher zu kommen. Wer die Hintergründe nicht kennt, erlebt die Bilder auf den ersten Blick als konstruktivistische Kunstwerke, deren malerische Qualität sofort ins Auge sticht. Ein „Oertel“ in der Empfangshalle einer Firma, hinter dem Schreibtisch oder im öffentlichen Raum ist genauso ästhetisch, wie in Wohnungen. Erst die Kenntnis des geschichtlichen oder gesellschaftlichen Backgrounds eröffnet die zweite, tiefer liegende Dimension der Arbeiten. Die erstklassige handwerkliche Umsetzung, die Komposition und die Sicherheit im Umgang mit der Farbe erreicht bei Oertel die Klasse ganz großer Meister. Vernissage Anja Es hält eine Kunstpredigt Sonntag, 1. November, 15 Uhr Ausstellung mit Bildern von Eberhard Oertel vom 1. November bis 29. Januar 2009 Künstlerei in der Alten Vogtei Vorderreihe 7, Travemünde |
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Die Welt Eberhard Oertels ist eine Welt der Geraden. Quader und Trapeze stellen sich unseren Blicken in den Weg. Ecken, spitze Winkel und gebrochene Formen beunruhigen das Auge. Am Sonntag, 1. November um 15 Uhr wird in der Künstlerei in Travemünde die Ausstellung eröffnet.
Jedem Bild von Eberhard Oertel kann ein Ereignis, eine Nachricht zugeordnet werden, die ihn so ernsthaft berührt hat, dass er die folgenden Monate damit verbracht hat, ein Bild darüber zu malen. Wir sehen einige dieser Bilder heute vor uns und finden die Ereignisse gefiltert durch das Herz des Künstlers, in Form und Farbe gefasst als reines Gefühl auf der Leinwand wieder. Eine Essenz – und daher so mächtig. Man steht davor und denkt: BOH! Man fühlt und kann sich nicht entziehen. Was bei den „Originalen“ in Presse und Fernsehen noch ganz leicht ging, nämlich das Weggucken, ist bei Oertel unmöglich. Wir sind berührt und das ist die erste Voraussetzung, selber Stellung zu beziehen. 





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