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Blues Festival - „Bruderherz, lass uns reich und berühmt werden – wir machen eine Blues Band auf!" Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Matthias Stohanzl
Montag, 5. Oktober 2009
B. B. And The Blues Shacks
Leidenschaft für den Blues hatten alle Musiker beim 14. Internationalen Lübecker Blues Festival – der eine hat den Blues schon länger, andere entdecken ihn jetzt. Wie es ist? Es ist schön, junge und gleichwohl gewachsene Musiker den Blues spielen zu sehen - und zu spüren, dass die Visitenkarte dieser Musik in ihrer facettenreichen Ausprägung ihre Wurzeln im Schaffen von Robert Johnson, Sonny Boy Williamson, B. B. King oder Muddy Waters findet.

Als Opener begannen Re-Late aus Gelsenkirchen. Eigenständige Songs in sauberen Interpretationen und der Tradition des Chicago-Blues mit mehrstimmigem Gesang, spielen Patrick Halfmann (Gitarre & Gesang), Jan Rinke (Bass & Gesang), Marlon Schruff (Schlagzeug) ein charaktervolles Set und durch Special Guest Mr. Harp bestens unterstützt von Manni Halfmann (Bluesharp). Eine im Altersdurchschnitt bemerkenswert junge Band tritt hier mit versierter Spieltechnik an, um sich Ihren Platz im Genre zu erobern.

   
„Ich bin etwas aufgeregt – meine Musiklehrerin ist heute da...“, meinte Sänger Rüdiger witzigerweise und ging zum Singen und Spielen ins Publikum..., Bluesm@il aus Lübeck starteten als zweiter Act temperamentvoll durch und lieferten einen spannenden Auftritt in Sachen Blues: Spielfreude pur – ich hab die gesamte Band während des kompletten Gigs nur lachen sehen. Mit tollen, vornehmlich deutschen Texten - da kommt schon Wallung ins Blut, wenn 'slidy' Alfons die Resonator 'rausholt...

In der Besetzung Rüdiger Voigt (Vox, Harmonica & Akkordeon), Alfons Krause (Gitarre), Ulrich Axler (Bass), Ferdi Peters (Drums) und Frank Schedukat (Piano), gab es einen Vorgeschmack, was am 30. Oktober 2009 zu erwarten ist: Bluesm@il ist eine von 5 Finalisten der 1. German Blues Challenge, die in Eutin stattfinden wird. Der Gewinner aus dem deutschen Wettbewerb vs. dem Sieger aus der Baltic Blues Challenge (die einen Tag später stattfindet) wird wohl dann nach Texas müssen (in die „Große Stadt - schöne Lichter“, das war der erste Song der B-Mails an diesem Abend) und sich mit den besten Blues-Bands weltweit messen dürfen. Leider spielen Bluesm@il schon als erste Band um 18:00 Uhr in Eutin und Unser Lübeck drückt fest die Daumen. Mir haben die Lübecker Lokalmatadoren auf alle Fälle große Lust auf mehr gemacht, und so werde ich am 30.10. in Eutin sein... allein für mich und mein Vergnügen, aber auch, um sympathische Lübecker Jungs zu unterstützen...

Rotes Jackett, blauer Ton... "mit 77 Jahren, da fängt das Leben an"... trifft auf den Musiker Louisiana Red (Gitarre & Gesang) und auf sein bewegtes Leben nun wirklich nicht zu. Die Blues-Aufnahmen von Iverson Minters (so heißt er mit bürgerlichem Namen, er mag die Chilli-Sauce Louisiana Red so gerne, die seinem Künstlernamen Pate stand), u. a. mit Muddy Waters, Albert King, Rory Gallagher, Eric Burdon, Johnny Winter, Champion Jack Dupree und John Lee Hooker – die Liste würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, gehen bis auf das Jahr 1949 zurück. Der Ehrenbürger der Stadt Woodstock, New York hat in seiner langen Karriere 52 (!) Blues-Alben veröffentlicht und spielt in der Technik des Fingerpicking eine Mischung aus allen Stilrichtungen des Blues. Ich habe an diesem Abend seinen Respekt und die Liebe zum Mississippi-Delta-Blues gespürt. Besonders berührt hat mich der Song "Sleep On Muddy Waters" - eine Hommage an den im Jahr 1983 verstorbenen Künstler. Unterstützung erhielt Louisiana Red bei einigen Stücken im Werkhof hörenswerter Weise von Bluesm@il. Als einer der wenigen noch aktiven afro-amerikanischen Musiker der unmittelbaren Nachkriegszeit, gilt er als einer der angesehensten Lyriker des Blues überhaupt.

   
   
„Bruderherz, lass uns reich und berühmt werden – wir machen eine Blues Band auf!“ Dieser Satz von Andreas Arlt an seinen Bruder Michael ist jetzt genau 20 Jahre her und heraus kam dabei die Band B. B. And The Blues Shacks, die ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen zur besten Blues Bands Europas gekürt wurde und u. a. den Trophee France Blues erhalten hat.

Ob das Publikum im Werkhof vielleicht nicht gewusst hat, wer da aufspielt? Nachdem Louisiana Red einige Minuten überzogen hatte und es etwas später zum Auftritt von B. B. And The Blues Shacks kam, dezimierte sich die Audience aufgrund der zeitlichen Verspätung deutlich.

Das änderte aber nichts an der Passion der Band, die gleich ex voto ihren Blues auf die Bühne brachte. Mit einer starken und charismatischen Bühnenpräsenz der beiden Brüder Andreas Arlt (Gitarre & Vocals) und Michael Arlt (Vocals & Harmonica) hat die Band in ihrer Ganzheit: Dennis Koeckstadt (Piano & Hammond), Henning Hauerken (Kontrabass & E-Bass) und Bernhard Egger (Drums & Vocals) mit viel Freude einen satten Auftritt hingelegt.

Das wirklich bemerkenswerte und versierte Spiel an der Gitarre von Andreas Arlt wurde noch deutlicher, als er bei einer Passage die elektronische Verstärkung abstellte und akustisch mit viel Humor auf seiner Semi-Hollow weiterspielte. Da wurde es schlagartig leiser in der Halle. Zudem überzeugte Michael Arlt im Anschluss mit einer mitreißenden Solo-Nummer auf der Bluesharp – da ist er wieder... der Blues... den Michael Arlt wie einen Güterzug in mein Nervenzentrum drückt. Leider wegen der zeitlichen Begrenzung alles viel zu kurz, aber mein Eindruck ist nachhaltig...

   
   
Fotos: (c) Boris Mahnke

Die Bands im Internet:
www.re-late.net
www.bluesmail.de
www.louisiana-red.com
www.bluesshacks.com

Blues Challenges:
www.bluesfest-eutin.de/bbc

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