Victoria B. Robinson – Schanzen-Slam Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Stephanie Gerlich
Dienstag, 6. Oktober 2009
Hamburg, Schanzenviertel: Genau der richtige Ort, um drei junge Damen mit den Widrigkeiten von Liebe und Erotik zu konfrontieren. In ihrem ersten Roman „Schanzen-Slam“ schickt Victoria B. Robinson ein Triumvirat ins Getümmel des Szene-Quartiers, auf der Suche nach Mr. Right und dem richtigen Weg im Leben.

Lea, Paula und Tine sind in den Zwanzigern und die besten Freundinnen. Drei Frauen, die symbolisch für klassische Situationen der Generation stehen: die eine Studentin mit Bar-Job, die andere Promoterin für allerlei Zeugs, die dritte an einem öden Job im Sonnenstudio kleben geblieben. Gemeinsam gehen sie zu einem Poetry Slam im Schanzenviertel, ihrer Heimat, und da liegt Veränderung in der Luft. Vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen lassen den dreien keine Ruhe.

Single-Frau Paula kann einfach die Finger nicht von ihrem „Gelegenheitsmann“ Ole lassen. Lea und Tine sind in Beziehungen verstrickt, die bestenfalls als semi-optimal durchgehen. Nicht gerade die große Liebe, manchmal nicht mal ordentliche Befriedigung.

Victoria B. Robinson hat ihren Powerfrauen aber ein ordentliches Rückgrat mitgegeben. In Sachen sexueller Befriedigung nimmt sich jede, was sie braucht. Hier wird auf keinen Orgasmus verzichtet. Das macht erotische Romane eben aus – selbst wenn es nicht der perfekte Kerl ist – im Bett gibt’s trotzdem ein kleines Happy End. Wenn es in der Realität doch auch nur so einfach wäre. Die Mädels in „Schanzen-Slam“ haben aber auch so ihre Last mit der Lust.

Auf der Suche nach dem Glück gehen sie munter durchs Schanzenviertel und kommen zu so mancher Erkenntnis über ihre sich verändernde Umwelt. Die Schanze leidet unter Gentrification; früher ein Ort alternativen Lebens, der auch Außenseitern Platz bietet, entwickelt sie sich unter dem Einfluss gieriger Investoren zum angesagten Szeneviertel mit steigendem Preisniveau. Ihrer Heldin Lea, Kämpferin für die Black Communtiy und Dreadlock-Träger, legt Victoria B. Robinson kluge Gedanken in den Mund. Zeitweise vergisst man glatt, dass es sich hier doch um einen Erotikroman, erschienen beim Label Anaïs im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, handelt.

In lustvollen Momenten wird es allerdings manchmal etwas hastig. Tine, Lea, Paula und ihre Männer vertrödeln nicht eben viel Zeit mit romantischen Momenten. Man kommt zügig zur Sache – auch sprachlich. Das wiederum ist ein klarer Pluspunkt für die Autorin: Victoria B. Robinson pflegt eine Sprache, die auf schwülstige und umständliche Formulierungen verzichtet. Ihre Direktheit ist ungemein erfrischend und so ist auch das gesamte Buch gelungen: frisch, jung, mit Lust und Liebe.

Für Unser Lübeck hat sich Victoria B. Robinson Zeit zu einem Interview genommen.

Victoria B. Robinson: Schanzen-Slam. 224 Seiten, Anais, 2009

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