Patricia Kelly - eine Biographie in Folk Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Stephanie Gerlich
Sonntag, 26. April 2009
„Essential“ heißt die Acoustic Tour von Patricia Kelly. Ihr Publikum nimmt sie mit auf eine Reise zu den wichtigsten Stationen ihres Lebens. In der Lübecker Musik- und Kunstschule hat sie, wie im Interview versprochen, die Herzen ihrer Zuhörer berührt mit Songs in sechs Sprachen.

Ihre Liebe gehört dem Folk, hatte Patricia Kelly im Interview mit Unser Lübeck gesagt, und dem ist sie treu geblieben. Nach einem Ausflug ins Jazzige mit Peter Materna ist sie für die „Essential Tour“ zu den Wurzeln zurückgekehrt. An der Seite der Solokünstlerin Kelly war als Gitarrist Ralph Herrnkind zu hören, der mit einer ungemein geschmeidigen Arpeggio-Technik für den Folk-Sound genau richtig war, man könnte sagen „sehr song-dienlich“, oder eben einfach schön.

Patricia Kelly`s musikalische Biografie begann mit zwei spanischen Liedern. Nachdem ihre Eltern Amerika verlassen hatten, nahm die Karriere der Kellys in den Siebzigern in Spanien ihren Lauf. Zwischen den Stücken nahm sich Kelly Zeit, den Zuhörern aus der Zeit zu erzählen, als sie noch ein kleines Kind war und unbedingt bei den Auftritten dabei sein wollte, so wie ihr zwei Jahre älterer Bruder. Innerhalb weniger Wochen hatte sie als Fünfjährige die Texte gelernt und Akkorde auf der Gitarre einstudiert. Nun steht sie also seit 34 Jahren auf der Bühne, die Routine spürt man, doch einstudiert wirkt sie an diesem Abend keineswegs. Das Publikum lernt Patricia Kelly von einer weit persönlicheren Seite kennen, als das in den Neunzigern auf dem Gipfel des Erfolgs der Kelly Family denkbar war.

Die Europareise in Musikform führt über Italien, wo die Kellys, nachdem ihr Bus ausgeraubt wurde, zu Straßenmusikern wurden, nach Irland zu den Wurzeln ihres Vaters. Dan Kelly war der Enkel irischer Einwanderer. In den Pubs kamen die Kellys mit dem Irish Folk in Kontakt. Patricia erinnert sich an einen Abend, an dem ein sehr aufgeregter junger Mann als Support für ihrem Auftritt spielte. Ganz nervös war er, sagt sie, aber er ist später auch noch sehr berühmt geworden. Es war Johnny Logan, der kurzer Zeit später den Eurovision Song Contest gewann.

Für einer der bekanntesten Irish Folk Songs „Oh Danny Boy“ setzt sich Patricia Kelly wie in alten Zeiten an die Harfe. Nächste Station auf dem Weg der Familie war Deutschland, wo sie Erfolge feierten mit Lieder wie „Alle Kinder brauchen Freunde“. Bei diesem Song gehen Stürme der Begeisterung durch das zumeist weibliche Auditorium. Die Kelly-Fans der Neunziger sind etwas älter geworden, aber sie haben keine einzige Textzeile vergessen.

Auf „Calling Heaven“, dem Song, den Paddy nach dem Tod ihrer Mutter geschrieben hatte, folgte ein Ausflug ins französische Chanson, denn die Familie hatte auch zwei Jahre in Paris verbracht. Mitten im Song hält Patricia Kelly an, lacht und schiebt ein, dass sie damals zum ersten Mal verliebt war, dann kann’s weiter gehen im Text, zumindest so lange, bis sie ihn glatt vergisst. Auch nach über 30 Jahren im Rampenlicht kommt das mal vor, und die Sängerin lacht mit dem Publikum.

Nach einer Pause ist Patricia Kelly bei ihrer Zeit in Amerika angekommen. Die Kellys zogen in die Heimat des Vaters und entdeckten die American Traditionals und Spirituals. Für die Christin Patricia ein essentieller Teil des Konzert, dem sie ihr ganz stimmliches Können widmet. Lagerfeuer-Klänge treffen auf eine sehr soulige Stimme, mit dem Publikum zusammen stimmt sie „Michael row the boat ashore“ und „I’m gonna let it shine“ an. Der Jubel ist auf beiden Seiten groß. Patricia Kelly ist von der Nähe zum Publikum so begeistert, dass sie am liebsten in Lübeck bleiben würde, sagt sie.

Schließlich kehrten die Kellys nach Deutschland zurück, denn hier fühlten sie sich am wohlsten, blickt Patricia auf die Jahre zurück. Die Wärme der Menschen hätte es ihnen hier sehr angetan. Damit begann die erfolgreichste, aber auch schwierigste Zeit der Kelly Family. Mit einem Zwinkern erinnert sie die Mädchen von damals an das Kreischen und die Belagerung. Paddy, der Schwarm (fast) aller weiblichen Teenager, ist schließlich Mönch geworden. „Aber er ist jetzt sehr glücklich, er strahlt“, berichtet Patricia von ihrem Bruder. Für die Kellys waren die Jahre nicht nur schön, sondern waren verbunden mit psychischem Druck, gibt Patricia zu. Diese Phase verbindet sie mit dem Song „You’re losing me“, den sie geschrieben hatte. Die Zuhörerschaft ist wieder textsicher, auch beim letzten Lied „No lies“.

Aber so können sie ihr Idol noch nicht gehen lassen. Patricia Kelly, sichtlich gerührt von der Begeisterung, gibt noch zwei Zugaben. So endet die Reise um die Folk-Welt, durch 30 Jahre Bühnengeschichte. Patricia Kelly hat nicht nur die „Essentials“ ihrer musikalischen Welt zu Gehör gebracht, sondern auch einen Teil von sich selbst gezeigt. Ohne die Pop-lastigen Beigaben, ganz acoustic mit einem zurückhaltenden und gleichzeitig sehr präsenten Gitarristen Ralph Herrnkind, wirkt Patricia Kelly als Folk-Sängerin authentisch. Nichts ist gekünstelt, die 39-Jährige strahlt und genießt nach den Jahren in riesigen Stadien wohl die Auftritte auf kleineren Bühnen, nur eine Armlänge von ihren Fans entfernt. Und die sind treu geblieben und lieben die Kellys wie eh und je.





Fotos: (c) Stephanie Gerlich

Kommentare von Lesern

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.
 

Seite 1 von 0
 
Name (erforderlich)

E-Mail (optional)
Ihr Kommentar


Meldungen

Quersprung

121. Travemünder Woche
Anbei einige Impressionen von der 121. Travemünder Woche.
mehr...

Newsletter

Bleib auf dem Laufenden und erhalte jeden 1. und 3. Freitag im Monat aktuelle Informationen und Veranstaltungstipps.
Name:
E-Mail:

Diesen Artikel bookmarken bei Mr. Wong Diesen Artikel bookmarken bei Webnews Diesen Artikel bookmarken bei Yigg Diesen Artikel bookmarken bei Linkarena Diesen Artikel bookmarken bei Digg Diesen Artikel bookmarken bei Del.icoi.us Diesen Artikel bookmarken bei Yahoo Diesen Artikel bookmarken bei Google

Unser Lübeck auf