Vernissage am Montagabend im DGB-Haus Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Oliver König
Mittwoch, 11. März 2009
Susanne Schledt
Die Vernissage der Ausstellung "Frauen" im DGB-Haus hat gezeigt, dass Kunst in der Lage ist, Menschen zueinander zu führen, sogar am Montag, der doch in der Regel für den Bürger mit allen Schrecken des Arbeitslebens verunstaltet ist.

Kunst ist zudem nicht nur kommunikationsfördernd und gedankenanregend, sie bietet auch Genuß pur. Schon die alten Lateiner wußten: Sie nützt und erfreut (prodesse et delectare). Aber die Umstände waren ungünstig und eigentlich geradezu kunstfeindlich. In einem Bürogebäude, dem Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes, finden die Kunstwerke der Lübecker Künstlerinnen Ingeborg Pieper und Susanne Schledt für 8 Wochen ein neues Zuhause. Das bedeutet kaltes Bürogebäudelicht, lange Gänge, Uniformität. Bilder teilen sich einen Raum mit Plakaten, die den Mindestlohn fordern und mit Türen, hinter denen sich z. B. auch Büroräume der Gewerkschaft der Polizei befinden. Apart.

Thematisch orientiert sich die Ausstellung am internationalen Frauentag. Künstlerinnen präsentieren Kunst, die aus weiblicher Sicht einen Blick auf ihr Geschlecht wirft - und das auf unterschiedlichste, anregende und auch ungewöhnliche Weise. Melanie Meyer vom DGB-Lübeck eröffnet die Ausstellung und weist daraufhin, dass für die Mitarbeiter des Hauses die Anwesenheit der Kunstwerke eine willkommene Bereicherung darstellen.

PRODESSE ET DELECTARE

Maria Marr entführt uns auf ihrem Cello mit einer Gigue von Bach und einem sehr interesssanten Stück von Wolfram Huschke von seiner CD "Alien Diary " in musikalische Welten. Dann spricht Angelika Birk, Vertreterin der Grünen/ Bündnis 90 im Landtag. Sie hält keine angestrengte Rede, sondern findet die richtigen Worte, um die Zuhörer für die Kunstwerke zu gewinnen und ihre Augen und Ohren zu öffnen. So spricht sie davon, dass den Betrachter nicht das übliche Bild von der Frau erwartet, das in den Medien immer wieder reproduziert wird. Die junge, makellose Frau, die vom Mann nur noch konsumiert zu werden braucht. Nein, man sieht "Alte Lust" von Ingeborg Pieper oder sogar einen Totenschädel von Susanne Schledt. Zum Thema Frauen und Frauenrechte erwähnt Angelika Birk, dass diese Ausstellung in vielen Länder, besonders in islamischen Ländern nicht denkbar wäre. Ich atme durch, denn die Rede legt mir nicht nahe, mich schlecht zu fühlen aufgrund der Tatsache, dass ich zum anderen Geschlecht gehöre. Also kein ideologisch geprägter Feminismus. Mittlerweile ist die DBG-Kulisse ganz in den Hintergrund gerückt, die Kunstwerke entfalten ihre Wirkung.

Susanne Schledt zeigt eine große Auswahl ihrer Plastiken und Skulpturen. Sie zeugen von einem beachtlichen handwerklichen Können. Sie beherrscht die klassischen Formen, mit denen sie der menschlichen Existenz nachspürt. Dabei scheut sie sich nicht, bis in existenzielle Tiefen vorzudringen und klammert Schmerz, Verletzung und Tod nicht aus. Es ist immer wieder schön, wenn man Kunstwerke sieht, die so souverän und gelungen mit den künstlerischen Mitteln umgehen. Die Gestaltung der Proportionen, der Form, die Berücksichtigung des Lichtfalls auf das Objekt zeugen von der soliden Ausbildung und der in vielen Jahren gereiften bildhauerischen Fähigkeiten von Susanne Schledt .

Ingeborg Pieper zeigt ausschließlich Bilder. Das ist ungewöhnlich, denn wir 
Ingeborg Pieper 'Alte Lust'
Lübecker bekamen in letzter Zeit meist Plastiken und Objekte von ihr zu sehen. Es gibt an dem Abend wirklich Neues zu entdecken: Unterschiedlichste Materialien, Stile und Techniken setzt Ingeborg Pieper ein und immer findet sich in den Bildern ein besonderer Esprit, eine charmante Leichtigkeit und ein Witz, der so typisch für die Künstlerin ist. Ganz ungerechtfertigt ist ihr bescheidenes Auftreten, denn diese Bilder zeigen ihr Talent und eine unbändige Schaffenskraft. Ingeborg Pieper erfindet sich immer wieder neu und überrascht mit originären Bildideen und einer experimentierlustigen Wahl der künstlerischen Mittel. Ihre Arbeiten sind nicht nur visuell reizvoll, sie lenken auch den Blick auf gesellschaftskritische Themen: Auch ältere Frauen wollen Sex, und Schlankheitswahn und Schönheitsideal sind weiterhin die großen Unterjocher der Frau.

Es war ein wunderbarer Abend mit anregender Kunst und Musik und interessanten Menschen und Gesprächen. Dank ans DGB-Haus!





Fotos: (c) Ralf Küpper

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