Interview mit einem Arbeitnehmer Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Britta Koth
Freitag, 16. Januar 2009
Herr B. ist einer der Mitbegründer der Selbsthilfe-Gruppe Anonyme Arbeitnehmer. Die Initiative gibt es inzwischen in Köln, Berlin und Lübeck. Anlässlich des 3-jährigen Bestehens sprachen wir mit dem 45-Jährigen über seine Tätigkeit als Gruppenleiter und sein persönliches Schicksal als jemand, der selber seit geraumer Zeit mit regelmäßiger Arbeit lebt.




Unser Lübeck: „Herr B., Sie gehören zu den Menschen im Land, die Arbeitnehmer sind.“

Herr B.: „So ist es.“

Unser Lübeck: „Hat sie das unvorbereitet getroffen?“

Herr B.: „Nein. Es gab Anzeichen dafür – denen habe ich aber keine rechte Bedeutung beigemessen. Genau das ist – so können wir heute wissen – das Problem.“

Unser Lübeck: „Wie ist es passiert?“

Herr B.: „Es fing damit an, dass ich eine Aushilfsstelle annahm in dem Betrieb, in dem auch mein Schwager arbeitet…“

Unser Lübeck: „Der ist also schon lange in die Arbeitnehmerschaft gerutscht?“

Herr B.: „Ja, der ist Langzeit-Arbeitnehmer.“

Unser Lübeck: Ist uns ein Begriff, ja,…Aber so weit war es mit Ihnen ja noch nicht…“

Herr B.: „Nein: Also ich wollte ihm nur einen gewöhnlichen Gefallen tun. Und dann habe ich angefangen mal hier und mal da ein wenig im Betrieb einzuspringen.“

Unser Lübeck: „Das klingt ja erst mal harmlos. Wie ging es weiter?“

Herr B.: „Ich wurde immer öfter angerufen und es wurde dann auch schon mal ein Dienstplan aufgestellt…

Unser Lübeck: „Oha“

Herr B.: „Ich weiß, später ist man immer schlauer, aber ich habe das gar nicht richtig gemerkt, es war alles so nett, man war herzlich, ich hatte plötzlich „Kollegen“, bin früh aufgestanden und – ja, irgendwann muss man dann auch abends früher ins Bett, weil man ja morgens…

Unser Lübeck: „Ein Teufelskreis. Das, was Psychologen „Struktur“ nennen. Hatten Sie das denn auch, eine feste Struktur, irgendwann?“

Herr B. (sehr berührt): „Darüber zu sprechen fällt mir schwer. Ich bin zur Zeit ja immer noch in Therapie, nur deswegen kann ich auch das Interview hier führen, aber, ja, so viel kann ich sagen: Ich hatte eine feste Struktur und es war schon so weit, dass ich nur unter Schwierigkeiten davon abweichen konnte. Ich hatte feste Urlaubszeiten und irgendwann hatte ich dann einen unbefristeten Arbeitsvertrag.“

Unser Lübeck: „Herr B. wenn Sie das zu sehr mitnimmt, können wir auch abbrechen…“


Kommentare von Lesern

Na, da lob ich mir doch die Freiheit des Prekariats im permanenten Projektstatus, promovierend usw. ;-)

Von Playpopmobil, am 17.01.2009 um 07:11

Wir hoffen, dass Herr B. bald geheilt wird.

Von Toldi, am 16.01.2009 um 19:32
 
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